Verletzt – und jetzt? Gesund – mit Grund!

Foto: Studio Horst/KK

Die Tanzmedizin kümmert sich um alle gesundheitlichen Belange von Tänzern und Tanzschaffenden jeglicher Stile und Institutionen, vernetzt Tänzer, Tanzpädagogen, Trainer, Betreuer, Eltern und Gesundheitsberufe. Durch die Fortbildung betreuender Erziehungs- und Gesundheitsberufe ermöglicht sie die Gesunderhaltung von Tanzschaffenden und die Versorgung bei Verletzung.

Auch wenn Verletzung (Trauma oder Läsion) ein von Tänzern meist ignoriertes Tabuwort darstellt, ist gerade der Umgang damit jener Punkt, der darüber entscheidet, wie weit das Trauma zur Bedrohung wird. Verletzung bedeutet einerseits Symptome, sowohl körperliche als auch seelische Einschränkung für den Tänzer sowie Konsequenzen  medizinischer, rechtlicher, finanzieller und psychischer Art. Andererseits haben Verletzungen für die beteiligte oder/und verantwortliche Institution ebenfalls finanzielle, rechtliche und versicherungstechnische Folgen.

Durch vorbeugende und wiederherstellende tanzmedizinische Maßnahmen können Tänzer, Institution und Staat finanziell entlastet und versteckte Kosten (Behandlungs-/Rehabilitationskosten, Versicherungen, Mehrfachbesetzungen und Ersatzzeiten für Tänzer, Personal, Ersatzkostüme etc.) drastisch reduziert werden.

Eine Verletzung bedeutet, dass eine Gewalteinwirkung Gewebeschäden verursacht, die den Betroffenen in Gesundheit und Funktionalität seiner Gewebe beeinflusst. Akute Gewalteinwirkungen durch unvorhergesehene äußere bzw. Fremdeinflüsse sind klar definier- und versicherbar. Fremdeinflüsse für Verletzungen können Böden, Partner, Schuhwerk, Kostüm, Kleidung, Schmuck, Requisiten, Bühnenbild, Beleuchtung oder Treppen genauso wie Trainings- und Probenpläne sein, die keine Zeit für Erholung, Nahrungs- und Wasseraufnahme oder auch für Auf- und Abwärmen lassen. Unfälle können auch im Tänzer selbst, durch plötzlichen Krafteinfluss oder Stabilitätsverlust ausgelöst werden. Bei akuten Verletzungen können somit meist Angaben zu Unfallzeit und Hergang bzw. zu direkten Ursachen gemacht werden.

Verletzungen, die auf chronischer Gewalteinwirkung durch Überlastung basieren, entstehen über längere Zeit und können deshalb zeitlich nicht genau eingegrenzt werden. Ursachen für Überlastungsschäden im Tänzer sind sowohl die bereits genannten Fremdeinflüsse als auch innere Einflüsse, indem eine ausgeübte Belastung wiederholt das Maß übersteigt, das das betroffene Gewebe auszuhalten imstande ist. Zum einen resultiert dies aus falscher Tanztechnik und übergangener Individualität der tänzerischen Anatomie und Physiologie, zum anderen aus der extrem hohen Arbeitsstundenzahl und den vielen Wiederholungen von gleichen und ähnlichen Bewegungen innerhalb des Tänzeralltags, welche keine Zeit lassen, die Mängel an Kondition oder Entspannung auszugleichen. Aus diesem Grund ist tanzmedizinische Aus- und Weiterbildung ebenso relevant für Trainer und Pädagogen wie für das medizinische Fachpersonal.

Artikel: Judith Elisa Kaufmann, tamed Organisation für Tanzmedizin
Akademie für Ballettpädagogik, Tanzpädagogik, btp + TanzMedizin
www.tanzpaedagogik.eu

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Foto: Studio Horst/KK

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